Kleine und mittlere Unternehmen („KMU“) machen laut statistischen Erhebungen rund 50% des globalen Bruttoinlandsproduktes (BIP) und bis zu 90% der Arbeitsplätze in der privaten Wirtschaft aus. In Deutschland erwirtschaften sie mehr als jeden zweiten Euro und stellen deutlich über die Hälfte aller Arbeitsplätze. Sie sind ein verlässlicher Partner der multinationalen Großkonzerne und die treibende Kraft für Innovationen. Vor diesem Hintergrund ist es nur schwer verständlich, dass für kleine und mittlere Unternehmen die Finanzierung über den Kapitalmarkt nicht adäquat funktioniert.

Während Medien und Regierungen von Tech-Einhörnern und Startups begeistert sind, besteht der Großteil der Wirtschaft aus traditionellen, eher kleineren Unternehmen mit echtem Personal, Produkten zum Anfassen und realen Gewinnen. Investoren meiden diese Unternehmen aber größtenteils, denn es gibt keinen liquiden Markt dafür. Sie konzentrieren sich bei der Suche nach Anlagemöglichkeiten nahezu ausschließlich auf globale Metropolen und multinationale Großkonzerne.

Es ist an der Zeit, den hoch attraktiven Unternehmen, die nachhaltig Werte schaffen, ausreichend Kapital zur Verfügung zu stellen!

Der Zugang zum Kapitalmarkt für KMU sollte dieses Problem eigentlich lösen, aber die Anzahl der Börsengänge hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als halbiert. Es gibt bereits verschiedene Ansätze für kleine Unternehmen, welche die Möglichkeiten die Kapitalmärkte zu nutzen, verbessern sollen. Dazu zählt unter anderem der Versuch der Deutschen Börse mit der Etablierung des SCALE ein neues Segment für den Mittelstand zu schaffen. Enttäuschend ist jedoch, dass es auch in diesem Segment keine wesentliche Anzahl an Börsengängen gibt und der traditionelle Mittelstand dabei erneut außen vor bleibt.

Die Lösung: Konzept der Agglomeration über eine börsennotierte Holding

Kern der sogenannten „Agglomeration“ ist ein an der Börse gelistetes Investment-Vehikel. Die Zielunternehmen sind kleine bis mittlere Unternehmen aus verschiedensten Branchen. Es handelt sich dabei um solide, schuldenfreie, profitable Unternehmen, die von erfolgreichen Unternehmern mit langjähriger Branchenexpertise geleitet werden. Die Unternehmer und oftmals Gründer tauschen bei Eintritt in das Vehikel ihre bestehende private Beteiligung gegen Aktien der Holding und führen das Unternehmen dann wie gehabt weiter. Sie erhalten alle Vorteile eines am Kapitalmarkt gelisteten Unternehmens ohne Zeit und Kosten, die mit einem traditionellen Listing einhergehen, aufbringen zu müssen. Auf der anderen Seite bietet diese Bündelung von verschiedenen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen in einer am Kapitalmarkt gelisteten Gesellschaft für Investoren eine attraktive Investitionsmöglichkeit, Liquidität und Diversifikation. Das Modell ähnelt Warren Buffetts Berkshire Hathaway, nur mit kleineren Unternehmen. Die MBH Corporation plc verfolgt dieses neue Modell. Ich hoffe, dass es noch viele Nachahmer gibt. Denn nur so erhalten die Millionen von kleineren und mittleren Unternehmen weltweit den Zugang zur Börse und eine langfristige Kapitalquelle.

Callum Laing ist Non-Executive Chairman der MBH Corporation plc und Pionier des Agglomeration-Modells sowie Ausschussmitglied des World Business Angel Investor Forums in Singapur. Er hat mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung mit der Gründung, dem Aufbau und dem Kauf sowie Verkauf von Unternehmen.

Der Artikel ist eine Vorabveröffentlichung aus der Juni-Ausgabe des GoingPublic Magazins, das Ende des Monats erscheint.

Titelfoto: Sergey Nivens – stock.dobe.com

Über den Autor

Callum Laing

Callum Laing ist Non-Executive Chairman der MBH Corporation plc und Pionier des Agglomeration-Modells sowie Ausschussmitglied des World Business Angel Investor Forums in Singapur.