Aktivistisch orientierte Investoren entdecken Deutschland für sich. Die Zahl der Kampagnen und Attacken ist in den  letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Prominente Fälle wie das Engagement von Guy Wyser-Pratte beim Luft und Raumfahrtkonzern OHB oder auch AOC bei STADA zeigen: Aktivistische Investoren sind kein vorübergehendes Phänomen. Und sie schrecken auch vor familienorientierten Unternehmen mit einem stabilen Anker oder gar Mehrheitsaktionär nicht zurück. Von Dr. Lars-Gerrit Lüßmann und Alexander Schmidt

Somit stellt sich für Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Gesellschaften hierzulande die Frage, wie eine passende Strategie für den Umgang mit aktivistischen Aktionären aus rechtlicher und kommunikativer Sicht aussehen sollte und wie Angriffsflächen für Aktivisten vermieden werden können. Die Zeiten, in denen Investoren allenfalls im klassischen One-on-Ones den Unternehmensvorständen ihre Ideen zu Unternehmensstrategie oder Geschäftsmodell darlegten, sind wohl unwiederbringlich vorbei. Zwar sprechen aktivistische Investoren gelegentlich beim Management vor. Oft erfahren die Unternehmen jedoch durch öffentliche Briefe an den Vorstand oder durch die Medien über die neuen unbequemen Aktionäre und ihre Absichten – häufig unterstützt durch professionelle Kommunikationsstrategien.

Einflussnahme über die HV

Parallel dazu schöpfen diese Aktionäre das Instrumentarium der aktienrechtlichen Minderheitsrechte häufig konsequent aus: Sie versuchen, über die Hauptversammlung Einfluss auf die Besetzung der Organe zu nehmen, stellen Anträge zur Tagesordnung der Hauptversammlung, wie etwa jüngst beim oberpfälzischen Automobilzulieferer Grammer, die Ab und Neuwahl von Aufsichtsratsmitgliedern oder die Bestellung von Sonderprüfern, sie verlangen Auskunft in und außerhalb der Hauptversammlung, fechten Beschlüsse an oder – etwa beim Abschluss von Unternehmensverträgen oder einem Squeeze-out – verlangen eine Erhöhung von Abfindungszahlungen im Rahmen des Spruchverfahrens. Diese Maßnahmen weisen nicht nur ein gehöriges Lästigkeitspotenzial, sondern auch wirtschaftliche Risiken für Unternehmen und Management auf. Hinzu kommen möglicherweise negative Reaktionen von Kunden und Geschäftspartnern, die aufgrund der als negativ wahrgenommenen Auseinandersetzung von der Gesellschaft Abstand nehmen.

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