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Dass Unternehmen zur eigenen Kurspflege gerne eigene Aktien zurückkaufen, ist bereits vergangenes Jahr öfter ins Auge gestochen. „Damals“ kannte man die Wörter Pandemie und Killer-Virus eher aus Horrorfilmen als aus der Realität, die Aktienkurse erzielten ein Allzeithoch nach dem nächsten und viele Unternehmen strotzten nur so vor Liquidität.

Demzufolge kauften auch viele Emittenten in der Vergangenheit massiv eigene Aktien, anstatt z.B. das überschüssige Kapital in Investitionen zu stecken oder als Finanzpolster zu nutzen. Insbesondere in konjunkturellen Hochphasen eine geläufige Methode, für die es sicherlich genauso viele Pros wie Contras gibt.

US-Airlines investierten vermehrt in eigene Aktien

Stand heute zeigt sich nun: Ein bisschen Hüftgold hätte dem ein‘ oder anderen Unternehmen in der derzeitigen Situation sicherlich gutgetan – besonders der strauchelnden Luftfahrtindustrie. Bei vielen US-Airlines waren Aktienrückkäufe in den letzten 24 Monaten scheinbar voll im Trend: Delta Airlines kaufte 2018/19 für 3,7 Mrd. USD eigene Aktien zurück, United Airlines für 3,8 und American Airlines für 2 Mrd.USD. Eine schöne Summe an Liquidität, die jetzt nicht zur Verfügung steht, wo es für diese Branche einmal mehr ans Eingemachte geht.

Doch „hätte, hätte Fahrradkette“ – natürlich hätte noch bis vor wenigen Monaten keiner vorhersehen können, wie hart uns die Folgen des Coronavirus wirklich treffen. Umso erstaunlicher, dass manche Unternehmen, wie z.B. Scout24, trotz der aktuellen Unsicherheiten – der MDAX-Konzern hat seine Prognose 2020 ausgesetzt– weiter an ihrer Aktienrückkauf-Politik festhalten. Erst vor wenigen Tagen wurde die entsprechende Folgepflichtenmitteilung über die erste Tranche der Rückkäufe publik.

Auch wenn allzu harsche Kritik derzeit mehr als unangebracht ist, gibt dies doch ein wenig zu denken – in der nächsten Hochkonjunktur sollte vielleicht behutsamer mit Aktienrückkäufen umgegangen werden, sofern sie lediglich der kosmetischen Kurspflege dienen.

Der Beitrag erschien zuerst im Newsletter KapitalmarktUpdate 8-2020.

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