Ein Fonds muss her
So wie der
Gesundheitsfonds alle Probleme unseres Gesundheitswesens „gelöst“ hat (wir
erinnern uns: Anfang 2009 eingeführt und nach nur einem Jahr konnten die
Krankenkassen bereits ihre Beitragsforderungen drastisch senken und ganz
nebenbei noch ihre Verbindlichkeiten abbauen, der atemberaubende Abbau der
Bürokratie sei nur am Rande erwähnt), so löste der Banken-Rettungsfonds Soffin
die Probleme der Finanzbranche. Auch und gerade dank diesem Fonds sind alle
Finanzinstitute der Republik bestens und solide finanziert. Die Bilanzen der
Bankhäuser sind nun porentief rein und ihre Keller von sämtlichen Leichen
gesäubert. Und weil unsere Banken jetzt ja wieder auf einem soliden Fundament
stehen, sorgen sie dafür, dass die Wirtschaft wieder floriert. Bei soviel
Erfolgen verwundert es natürlich niemanden, dass nun Bundesfinanzminister
Schäuble mit der Idee eines europäischen Währungsfonds um die Ecke kommt.
Nicht verzagen, Fonds bezahlen
Schalten wir den Ironiemodus einmal kurz aus und fragen uns
angesichts all der „Erfolge“, die mit den diversen Fonds erzielt wurden: Warum
kommt immer wieder jemand auf diese Idee? Sind diese Leute alle bescheuert oder
verblendet? Sieht man einmal davon ab, dass die Anzahl derjenigen, die sich im
Kantschen Sinne ihres Verstandes bedienen können – insbesondere in der
politischen Klasse – eher gering sein dürfte, liegt die Antwort woanders.
Ein Fonds ist ein wunderbares technisches Mittel und eben nur ein
technisches Mittel – niemand muss den Kopf hinhalten und etwas rechtfertigen,
der Fonds läuft von alleine. Sollten ihm die Geldmittel ausgehen, wird er eben
mittels Steuergeldern wieder aufgefüllt – im Idealfall kann der Fonds selbst
Schulden aufnehmen, normalerweise würden die Mitglieder dies für ihn
übernehmen. Und der allerwichtigste Aspekt: mit einem solchen Vehikel lassen
sich Zahlungsströme ganz herrlich intransparent gestalten. Ist ein solcher
Fonds einmal eingerichtet, wird sich jedes Parlament dieser Welt schwer tun, zu
kontrollieren an wenn wann wieviel Geld weshalb geflossen ist. Es sollte daher
auch nicht überraschen, dass die Gründung eines Fonds auch immer wieder als
probate Lösung angesehen wird. Tatsächlich dürften solche Fonds immer häufiger
und in immer kürzerer Zeit aufgestellt werden, je näher die Finanz- und
Wirtschaftskrise dem endgültigen Kollaps entgegen geht. Ein kleines bisschen
Zeit lässt sich damit immer irgendwie schinden. In unserem Crack-up-Boom
Szenario (CuB) sind solche Fondsgründungen entsprechend auch nur weitere
Mosaiksteinchen mit dem Ziel die Finanzmärkte/Banken/Staaten mit dem
überlebensnotwendigen Treibstoff zu versorgen: Liquidität! Insofern gibt es an
unserer generellen Einschätzung zu den Börsen für die kommenden Jahre nichts zu
ändern.
Märkte
Entsprechend
sieht die Entwicklung im DAX aus. Aus unserer
Perspektive deutet alles daraufhin, dass die Korrektur vorbei ist. Insbesondere
die nun vollständig ausgebildete Schulter-Kopf-Schulter Formation (SKS) lässt
diesen Schluss zu (vgl. Abb. 1). Wir hatten ja bereits seit längerem
daraufhingewiesen, dass wir das Ende der seit Mitte Oktober laufenden Korrektur
für Ende Februar/Anfang März erwarten. Dies zeichnet sich nun immer deutlicher
ab. Wir müssen natürlich auch dazu sagen, dass wir mit einer wesentlich
stärkeren Korrektur gerechnet hatten. Hätten wir gewusst, dass die Korrektur
mehr einem Seitwärtslaufen ähneln würde, hätten wir die Shortposition auf den
DAX vermutlich nicht erworben. Aber gut, die Börse ist keine Einbahnstrasse und
an Vergangenem festhalten bringt wenig. Da unser Musterdepot außerdem auf
Allzeithoch notiert (ganz im Gegensatz zum DAX), können wir mit solch kleinen
Fehlern sehr gut leben. Auch wenn es durch aus im Bereich des Möglichen liegt,
dass wir noch einen Pullback auf die Nackenlinie der SKS bei ca. 5700 Punkten
sehen, schalten wir in den Hausse-Modus um und investieren weiter, nachdem wir
ja bereits letzte Woche tätig geworden sind.

Musterdepot
Die logische Konsequenz aus unserer Analyse ist natürlich als erstes, dass
wir zur Eröffnung am morgigen Mittwoch unser Short-Zertifikat (WKN: CG021U) auf den DAX glattstellen. Hier sind natürlich einige Verluste (ca.
30% des Positionswerts) entstanden, aber wir hatten das Zertifikat ja nicht zur
Spekulation, sondern zur Absicherung des Depots gekauft. Bereits letzte Woche
haben wir 500 Stück des brasilianischen Rohstoffkonzerns Vale (WKN: A0RN7M) bzw. 50 Stück von Nintendo (WKN: 864009) erworben. Bei Fielmann (WKN: 577220) ging unser Kauflimit bisher leider nicht auf. Da wir die
Aktie aber nach wie vor für ungemein attraktiv halten, erhöhen wir hier das
Kauflimit auf 59, 60 EUR. Die Limits für Indofood (WKN: 891724) und CTS
Eventim (WKN: 547030) behalten wir bei.
Daneben werden wir einen Optionsschein von HSBC Trinkaus auf Amazon
erwerben. (WKN: TB7W0U). Wir hatten Amazon bereits mehrfach in unserem Heft
besprochen (zuletzt in der Ausgabe 7/2009) und immer wieder darauf hingewiesen,
dass Unternehmen mit Geschäftsmodellen wie Amazon ganz besonders von CuB
profitieren dürften. Wir kaufen zum morgigen Mittwoch 3.000 Stück. Als Bezugswährung
liegt dem Schein der US-Dollar zugrunde, abgerechnet wird aber natürlich in Euro.
Bei einem weiter schwachen Euro würde der Schein also auch hiervon profitieren.
Der Hebel liegt bei ungefähr 5 und das Bezugsverhältnis bei 1:10. Bei 3.000
erworbenen Stück haben wir also eine Option auf 300 Aktien. Der Schein hat
einen Basispreis von 160 USD. Da Amazon derzeit bei rund 130 USD notiert (vgl.
Abb. 2) ist der Schein derzeit natürlich weit aus dem Geld. Allerdings wählen
wir die Laufzeit entsprechend lang (bis 11.01.2013). Wir gehen davon aus, dass
sich in den kommenden 12 bis 24 Monaten der Großteil des CuB abspielen dürfte
und so sollten mit diesem Schein hohe Gewinne kreiert werden können. Vorsicht!
Es handelt sich hierbei um eine Spekulation mit einem (gehebelten)
Finanzderivat. Bei einer solchen Spekulation droht als Gegengewicht für die
möglichen Gewinne immer auch das Risiko des Totalverlusts. Wer mit einem
solchen Risiko nicht umgehen kann, der sollte besser die Finger davon lassen
oder aber einfach direkt die Amazon Aktie (WKN: 906866) selbst erwerben.

Damit haben wir unsere Liquidität noch nicht aufgebraucht. Wir werden in den
kommenden Wochen weiter investieren und die Quote letztlich auf 100%
hochfahren. Via Weekly werden wir Sie auf dem Laufenden halten. Außerdem werden
Sie natürlich ausführlich in unserem Heft informiert.
Musterdepot Fonds
Im vergangenen Jahr nutzten wir die sommerlich Ruhe an den Märkten, um Kasse
bei einigen Fonds-Positionen zu machen. Gleichzeitig kauften wir mit dem ETF
auf den Short-DAX (WKN: DBX1DS) eine kleine Absicherung und traten damit
gezielt auf die Bremse. Im Nachhinein betrachtet müssen wir konstatieren: Wären
wir nur mal nicht so vorsichtig gewesen. Nun, nachdem die Konsolidierung des
Gesamtmarktes ihrem Ende entgegen gehen dürfte, verkaufen wir den ETF auf den
Short-DAX (150 Stück) mit einem dennoch verschmerzbaren Verlust von knapp 7%
seit Kauf (Ende September 2009) und wagen uns bei zwei Fonds wieder auf die
Käuferseite. Zweierlei Themen stehen dabei auf der Agenda: Technologie und
Emerging Markets. Letztere decken wir über den Global Advantage Emerging
Markets Fund (WKN: 972996, 7 Anteile) ab, der derzeit schwerpunktmäßig u.a. in
der Türkei, Thailand, Russland, Ungarn und Ägypten investiert ist. Fondsmanager
Michael Keppler ist ein Verfechter der Aktienselektion nach Value-Kriterien,
entsprechend wenig kümmern ihn kurzfristige Marktschwankungen und -bedingungen.
Kleiner Hinweis: Der Keppler-Fonds ist so etwas wie die Berkshire Hathaway
unter den Fonds, zumindest bezogen auf den Preis, denn ein Anteil schlägt mit
knapp 1.600 EUR zu Buche. Vielleicht sind manche Emerging Markets derzeit sogar
etwas überhitzt, sowohl volkswirtschaftlich als auch von Seiten der Börse, aber
der Newsflow ist immer noch besser als jener aus den etablierten Volkswirtschaften,
wo die Nachrichten von Themenkomplexen wie Überschuldung und Staatsbankrotten
dominiert werden. Derlei haben die Emerging Markets hinter sich gelassen,
Emergency war hier gestern – und genau das goutiert der Markt zusehends. Das
Fondskonzept hat zuletzt bewiesen, auch in schwierigeren Börsenphasen positive
Renditen produzieren zu können.
Für das Technologiesegment gilt Ähnliches. Hier hat sich jüngst eine Relative
Stärke herausgebildet, die daraufhin deutet, dass hier eine größere
Aufwärtsbewegung im Rahmen eines Crack-up-Booms durchaus möglich wenn nicht gar
wahrscheinlich ist. Wir kaufen folglich den 4Q Growth Universal (WKN: A0D9PG,
275 Stück). Sämtliche Geschäftsmodelle der im Fonds enthaltenen Titel sind hoch
skalierbar und dürften während des entscheidenden CuB-Schubes zu wahren
Cash-Maschinen „mutieren“. Apple, Amazon, Google & Co. werden sich dann
klotzig verdienen. Zwar sind die Bewertungen teilweise bereits stattlich, aber
angesichts der enormen Aufwärtsspielräume bei den Erlösen haben auch die
Aktienkurse noch gewaltig Luft nach oben. Nicht zuletzt dann, wenn Börsianer
gesunde, schuldenfreie und zuverlässige Unternehmen wieder zu schätzen
beginnen. Sowohl für den Emerging Markets- als auch für den Technologiefonds
veranschlagen wir eine Positionsgröße von ca. 10.000 EUR. Sämtliche
Transaktionen im Fondsdepot erfolgen zum morgigen Schlusskurs.
Mit lediglich 5.000 EUR akzentuieren wir das Fonds-Musterdepot weiterhin um
Brasilien. Brasiliens Börse gehörte 2009 zu den absoluten Highflyern. Zwar mahnt
dies einen echten Contrarian zunächst zur Vorsicht, aber beim Blick auf die
makroökonomische Stärke am Zuckerhut können Investoren gar nicht anders als
weiter an eine Outperformance der Börse in Sao Paulo zu glauben. Brasilien
hatte 1999 seinen Bankrott, musste in Folge einer Hyperinflation sein System
neu starten. Nun aber fußt der ökonomische Erfolg auf einer vernünftigen
Notenbankpolitik, gekoppelt mit einem starken unternehmerischen Fundament sowie
einem Konsumenten, dem sich ganz langsam die Möglichkeiten wachsenden
Wohlstands erschließen. Zudem ist Brasilien mit seinem Rohstoffreichtum an sich
ein Realwert-Investment, profitiert also in einem CuB-Szenario
überproportional. Wir erwerben folglich 200 Anteile des Lyxor-ETFs (WKN:
LYX0BE) auf den brasilianischen Standardwerte-Index BOVESPA, in dem sämtliche
bekannten Brasilien-Titel vereint sind. Vom Hoch von über 28 EUR hat der ETF
zwischen Januar und Mitte Februar knapp 17% verloren, nähert sich nun aber
langsam wieder seinem zu Jahresbeginn erreichten Verlaufshoch.
Hinweis in eigener Sache
Kürzlich
hatten wir leider einige Problem unseren Newsletter zu versenden. Theoretisch
kann dies immer wieder einmal vorkommen. Daher hier der Hinweis, dass der
Newsletter auch online unter http://www.smartinvestor.de/news/smartinvestor
zu lesen ist. Falls sie den Newsletter einmal nicht erhalten haben, wird es auf
der Homepage für Sie ersichtlich, ob der Newsletter überhaupt erschien.
Veranstaltungshinweis
Außerdem sei an dieser Stelle auf die 6. Frühjahrkonferenz des
Vereins technischer Analysten Deutschlands hingewiesen (VTAD). Diese findet
Samstag 20. März bis Sonntag 21. März 2010
im
Steigenberger Hotel Metropolitan in Frankfurt am Main statt.
( http://www.vtad.de/node/893 )
Fazit
Die Korrektur im DAX ist vermutlich
vorbei, entsprechend orientieren wir uns. Aus der Politik kommen auch nach wie
vor die Signale, die wir für den Fortgang unseres CuB Szenarios erwarten. So
gesehen sind wir weiterhin ausgesprochen bullish für den weiteren
Jahresverlauf.
Ralf Flierl, Fabian Grummes, Tobias Karow
Hinweis auf mögliche
Interessenskonflikte:
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Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.
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