All die Aufregung wegen
+/- 0,5%?
Etwas
verwunderlich ist es schon – sicher die USA fordern diese Lockerung schon seit
langem ein, aber die Chinesen haben immer wieder klar gemacht, dass sie ihr
eigenes Tempo gehen werden. Meldungen, dass die Chinesen nun dem Druck
nachgegeben haben, der vor dem G20-Gipfel auf sie ausgeübt wurde, machten die
Runde. Auch dass dieser Druck nun auf die anderen „Überschusssünder“ wie
Deutschland oder Japan weitergereicht wird. Einer der
(US-)Mainstream-chefökonomen, Paul Krugmann, forderte denn auch gleich die
Deutschen auf, den Handelsbilanzüberschuss zu reduzieren und endlich mehr zu
konsumieren – was ja, wie wir alle wissen, das Allheilmittel ist! Die Märkte feierten unterdessen das
chinesische Vorgehen als Schritt in die richtige Richtung und waren in
Gipfelsturmlaune, auch wenn es für neue Jahreshochs im DAX nicht ganz gelangt
hat.
An der Börse hat es sich eigentlich immer bewährt solche Meldungen erstmal
nüchtern und sachlich zu analysieren, bevor man sich der allgemeinen Euphorie
hingibt. Zunächst: an sich hat sich nicht viel getan – die Chinesen haben eine
große Ankündigung getätigt (die eigentlich so groß nicht war), ein kleines
bisschen gehandelt und den Yuan etwas aufgewertet, nicht mehr und nicht
weniger.
Chinas Teuerungsproblem
Damit zeigen die Chinesen nur, dass sie es auf den ganz großen Krach mit den
USA (noch) nicht ankommen lassen wollen, dass sie eine längerfristig
ausgerichtete Strategie haben und dass sie ihrer Wirtschaft zutrauen, auch mit
einem etwas höheren Wechselkurs zu recht zu kommen.
Was bei der ganzen Aufregung vergessen wird ist, dass sich in China in den
letzten eineinhalb Jahren die Teuerung zu einem enormen Problem entwickelt hat.
Nicht nur im Immobilensektor, sondern vor allem bei den Grundnahrungsmitteln.
Nicht zuletzt deshalb, weil China eben diese in immer größeren Mengen
importieren muss. Eine kleine Aufwertung der Landeswährung kann den Druck hier
zumindest kurzfristig etwas lindern, auch über psychologische Effekte.
Große Freude übrigens dürften die USA an weiteren Aufwertungen – so sie denn
wirklich kommen –
nicht haben. Denn ein Land, das den Großteil seiner Konsumgüter importiert,
spürt es schmerzhaft, wenn der wichtigste Lieferant seine Preise (über eine
Währungsaufwertung) erhöht. Konsum macht halt nur dann richtig Freude, wenn man
die eigenen Produkte konsumieren kann, nicht wahr Herr Krugman?!
DAX & Co
Nach
dem gestrigen Überschwang musste der DAX heute natürlich erstmal etwas
durchatmen.
Aber
das ändert an unserer bullishen Einstellung überhaupt nichts. Der Index pendelt
wieder in der Range zwischen 6.100 und 6.300 und dürfte zunächst einmal Kraft
schöpfen, um diesen Widerstand schließlich dauerhaft zu überwinden.
…und was macht eigentlich Gold?
Nachdem
das gelbe Metal gestern Intraday im Dollar ein neues Allzeithoch markierte,
ging ihm dann die Kraft doch etwas aus und es schloss schließlich deutlich
unter den Höchstkursen. Aber auch hier besteht kein Grund zur Besorgnis. Der
Trend ist absolut intakt und Gold ist eben in jeder Hinsicht eine Versicherung:
Sei es gegen allgemeine Krisen oder gegen eine kommende Inflation, wie sie die
Chinesen bereits erleben. Die Saisonalität spricht in den kommenden Wochen eher
für schwächere Kurse, aber da derzeit die Investmentnachfrage dominiert und die
Schmucknachfrage die zweite Geige spielt, muss sich dieses Muster heuer nicht
unbedingt ausprägen.

Musterdepot
Gestern
erreichten uns einige besorgte Emails als der von uns gehaltene Amazon-Call
(WKN: TB7W0U) nachmittags um ca. 15% fiel. Die Aktie selbst fiel gestern um
2,5% und bei entsprechender Hebelwirkung kann daraus dann durchaus eine größere
Bewegung werden – davon braucht man sich allerdings nicht beunruhigen zu
lassen, denn der Optionsschein hat noch einen lange Laufzeit und kann, anders
als ein Zertifikat, nicht ausgeknockt werden. Dennoch sei an dieser Stelle noch
einmal der Hinweis gegeben, dass sich derartige Derivate nur für den erfahrenen
Anleger eigenen und das Risiko eines Totalverlusts beinhalten.
Wir fühlen uns nach wie vor sehr wohl mit allen unseren eingegangen Positionen,
weitere Käufe nehmen wir zunächst einmal nicht vor.
Samstag kommt der Smart Investor
Am kommenden Samstag (26.06) erscheint die neue Ausgabe des Smart Investor
7/2010. Im Titelthema setzen wir uns diesmal mit den, im Zuge der Krise
drohenden Regulierungen und Staatseingriffen in den Investmentbereich
auseinander – vom Short- bis zum Goldverbot. Daneben richten wir unsere Augen
auf Thailand und suchen nach lukrativen Anlagechancen im Land des Lächelns. Die
Frage nach dem Verhalten der Anleger, also der „Behavioral Finance“, macht
einen weiteren Schwerpunkt im Heft aus. Darüber hinaus lassen wir interessante
Interviewpartner zu Wort kommen, liefern messerscharfe Analysen und Ansichten
jenseits des Mainstreams. Kurz: Sie dürfen sich auf einen Smart Investor in
gewohnter Qualität freuen – am Samstag in Ihrem Briefkasten.
Fazit
Die Chinesen müssen sich also bereits mit massiv steigenden Preisen
auseinandersetzen. Dies droht uns erst noch, wobei die Teuerung im Euroraum
nicht nur durch die Geldmengen- und Schuldenausweitung entsteht, sondern
vermutlich auch noch verstärkt wird, wenn Staaten wie China anfangen durch
stärke Währungsaufwertungen ihre Teuerung zu exportieren.
Fabian
Grummes
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von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.