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Smart Investor Weekly 22.06.2010, 17:44  
China wertet auf - und alle freuen sich

Die Ankündigung Chinas die eigene Währung, den Renminbi Yuan, künftig nicht mehr vor allem an den Dollar zu koppeln, sondern sich auf einen flexibler gehandhabten Währungskorb zu stützen, löste gestern überall freudige Erregung und mancher Orts auch Erleichterung aus – mit Recht?

All die Aufregung wegen +/- 0,5%?

Etwas verwunderlich ist es schon – sicher die USA fordern diese Lockerung schon seit langem ein, aber die Chinesen haben immer wieder klar gemacht, dass sie ihr eigenes Tempo gehen werden. Meldungen, dass die Chinesen nun dem Druck nachgegeben haben, der vor dem G20-Gipfel auf sie ausgeübt wurde, machten die Runde. Auch dass dieser Druck nun auf die anderen „Überschusssünder“ wie Deutschland oder Japan weitergereicht wird. Einer der (US-)Mainstream-chefökonomen, Paul Krugmann, forderte denn auch gleich die Deutschen auf, den Handelsbilanzüberschuss zu reduzieren und endlich mehr zu konsumieren – was ja, wie wir alle wissen, das Allheilmittel ist!  Die Märkte feierten unterdessen das chinesische Vorgehen als Schritt in die richtige Richtung und waren in Gipfelsturmlaune, auch wenn es für neue Jahreshochs im DAX nicht ganz gelangt hat.
An der Börse hat es sich eigentlich immer bewährt solche Meldungen erstmal nüchtern und sachlich zu analysieren, bevor man sich der allgemeinen Euphorie hingibt. Zunächst: an sich hat sich nicht viel getan – die Chinesen haben eine große Ankündigung getätigt (die eigentlich so groß nicht war), ein kleines bisschen gehandelt und den Yuan etwas aufgewertet, nicht mehr und nicht weniger.

Chinas Teuerungsproblem
Damit zeigen die Chinesen nur, dass sie es auf den ganz großen Krach mit den USA (noch) nicht ankommen lassen wollen, dass sie eine längerfristig ausgerichtete Strategie haben und dass sie ihrer Wirtschaft zutrauen, auch mit einem etwas höheren Wechselkurs zu recht zu kommen.
Was bei der ganzen Aufregung vergessen wird ist, dass sich in China in den letzten eineinhalb Jahren die Teuerung zu einem enormen Problem entwickelt hat. Nicht nur im Immobilensektor, sondern vor allem bei den Grundnahrungsmitteln. Nicht zuletzt deshalb, weil China eben diese in immer größeren Mengen importieren muss. Eine kleine Aufwertung der Landeswährung kann den Druck hier zumindest kurzfristig etwas lindern, auch über psychologische Effekte.
Große Freude übrigens dürften die USA an weiteren Aufwertungen – so sie denn wirklich kommen –
nicht haben. Denn ein Land, das den Großteil seiner Konsumgüter importiert, spürt es schmerzhaft, wenn der wichtigste Lieferant seine Preise (über eine Währungsaufwertung) erhöht. Konsum macht halt nur dann richtig Freude, wenn man die eigenen Produkte konsumieren kann, nicht wahr Herr Krugman?!

DAX & Co

Nach dem gestrigen Überschwang musste der DAX heute natürlich erstmal etwas durchatmen.

Aber das ändert an unserer bullishen Einstellung überhaupt nichts. Der Index pendelt wieder in der Range zwischen 6.100 und 6.300 und dürfte zunächst einmal Kraft schöpfen, um diesen Widerstand schließlich dauerhaft zu überwinden.

…und was macht eigentlich Gold?

Nachdem das gelbe Metal gestern Intraday im Dollar ein neues Allzeithoch markierte, ging ihm dann die Kraft doch etwas aus und es schloss schließlich deutlich unter den Höchstkursen. Aber auch hier besteht kein Grund zur Besorgnis. Der Trend ist absolut intakt und Gold ist eben in jeder Hinsicht eine Versicherung: Sei es gegen allgemeine Krisen oder gegen eine kommende Inflation, wie sie die Chinesen bereits erleben. Die Saisonalität spricht in den kommenden Wochen eher für schwächere Kurse, aber da derzeit die Investmentnachfrage dominiert und die Schmucknachfrage die zweite Geige spielt, muss sich dieses Muster heuer nicht unbedingt ausprägen.



Musterdepot

Gestern erreichten uns einige besorgte Emails als der von uns gehaltene Amazon-Call (WKN: TB7W0U) nachmittags um ca. 15% fiel. Die Aktie selbst fiel gestern um 2,5% und bei entsprechender Hebelwirkung kann daraus dann durchaus eine größere Bewegung werden – davon braucht man sich allerdings nicht beunruhigen zu lassen, denn der Optionsschein hat noch einen lange Laufzeit und kann, anders als ein Zertifikat, nicht ausgeknockt werden. Dennoch sei an dieser Stelle noch einmal der Hinweis gegeben, dass sich derartige Derivate nur für den erfahrenen Anleger eigenen und das Risiko eines Totalverlusts beinhalten.
Wir fühlen uns nach wie vor sehr wohl mit allen unseren eingegangen Positionen, weitere Käufe nehmen wir zunächst einmal nicht vor.

Samstag kommt der Smart Investor
Am kommenden Samstag (26.06) erscheint die neue Ausgabe des Smart Investor 7/2010. Im Titelthema setzen wir uns diesmal mit den, im Zuge der Krise drohenden Regulierungen und Staatseingriffen in den Investmentbereich auseinander – vom Short- bis zum Goldverbot. Daneben richten wir unsere Augen auf Thailand und suchen nach lukrativen Anlagechancen im Land des Lächelns. Die Frage nach dem Verhalten der Anleger, also der „Behavioral Finance“, macht einen weiteren Schwerpunkt im Heft aus. Darüber hinaus lassen wir interessante Interviewpartner zu Wort kommen, liefern messerscharfe Analysen und Ansichten jenseits des Mainstreams. Kurz: Sie dürfen sich auf einen Smart Investor in gewohnter Qualität freuen – am Samstag in Ihrem Briefkasten.

Fazit
Die Chinesen müssen sich also bereits mit massiv steigenden Preisen auseinandersetzen. Dies droht uns erst noch, wobei die Teuerung im Euroraum nicht nur durch die Geldmengen- und Schuldenausweitung entsteht, sondern vermutlich auch noch verstärkt wird, wenn Staaten wie China anfangen durch stärke Währungsaufwertungen ihre Teuerung zu exportieren.

Fabian Grummes


Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:
Eine mit “*“ gekennzeichnete Aktie wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.



 

 

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