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Smart Investor Weekly 01.06.2010, 17:15  
Von kleinen Mädchen - und schwarzen Männern

Während eine junge Dame namens Lena Meyer-Landrut den europäischen Sängerwettstreit gewinnt, unser Land in den Ausnahmezustand versetzt und dafür sorgt, dass sich Deutschland von Europa geliebt fühlt, verlassen zwei CDU-Politiker das Staatsschiff aus Gründen, die nicht unterschiedlicher hätten sein können und am Ende vielleicht doch die gleichen sind.

Europa liebt uns
Während ich mir über die Gesangskunst „unserer“ Lena kein Urteil zu erlauben wage – da gibt es sicherlich besser Qualifizierte und außerdem sind die Geschmäcker ja verschieden – ist es verwunderlich zu sehen, wie schnell sich die deutsche Wahrnehmung wandelt. Sah sich der Deutsche noch vor wenigen Wochen ausgebeutet durch die „faulen Südländer“, so jubelt heute das Vaterland: „Europa liebt uns!“ Schließlich haben uns so viele Staaten mit Punkten bedacht, von denen wir das so nicht erwartetet hätten. Spanien, Lettland, Litauen, Belgien…“Nachtigall, ick hör dir trapsen“ mag sich da der ein oder andere denken. Schließlich sind dies alles Staaten, die darauf hoffen im Falle eines Bankrotts die mildtätige Unterstützung des deutschen Steuerzahlers einfordern zu dürfen. Und haben nicht die undankbaren Griechen „uns“ nur zwei Punkte geben? Klassisch! Undank ist der Welten Lohn! Da sie ihr Geld bereits erhalten haben, zeigen sie „uns“ die kalte Schulter. Die Portugiesen schlossen sich den Griechen an, denn der 750 Mrd. EUR schwere Rettungsschirm dürfte auch für sie ausreichend sein…
Wem das zu sehr um die Ecke(n) gedacht ist: Die vom Bankrott bedrohten Länder werden so oder so gerettet werden. Denn das Aufspannen von Rettungsschirmen ist ja immer „alternativlos“, wie wir inzwischen zur Genüge von unserer Bundeskanzlerin erfahren durften. Fräulein Meyer-Landrut hat sich einfach nur angenehm abgesetzt von der Schar der glitzernd bunten Popbarden und ein wohl relativ eingängiges Lied geträllert, das kam an – mehr nicht, weniger auch nicht.

Die Ersten gehen von Bord
Viel interessanter war in den vergangenen Tagen jedoch, wer sich ebenfalls abgesetzt hat. Der Ministerpräsident Roland Koch und Bundespräsident Horst Köhler verkündeten ihren Rückzug aus der Politik. Der Hesse bemängelte seinen schwindenden Gestaltungsspielraum. Dass er außerdem keine Chance mehr auf das Kanzleramt sieht und dann eigentlich auch keine Lust mehr hat mitzuspielen, dürfte ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Die Vorstellung, dass jemand, der ein Amt übernimmt, damit Verantwortung nicht für sich und seine Ziele, sondern für die Bürger und deren Wohl übernimmt, hat das Gros der politischen Klasse schon vor langer Zeit über Bord geworfen. Herr Koch reiht sich dabei treffend ein. Horst Köhler hingegen sah sich genötigt zurückzutreten, weil er die Wahrheit über Afghanistan sprach. Nämlich dass der wahre Grund für unser Engagement in den zentralasiatischen Erdöl- und Erdgasvorkommen liegt, welche wir (der Westen) gerne unter Umgehung Russlands nutzen wollen würden. Dazu brauchen wir eben eine Pipeline durch Afghanistan. Die Wortwahl des ehemaligen Bundespräsidenten war natürlich etwas vorsichtiger. Aber letztlich ist diese Einlassung und die Ausführungen Horst Köhlers (die wörtlich hier nach zu lesen sind: http://www.dradio.de/aktuell/1191138/ ) so banal und so offensichtlich, dass es manchem Beobachter als fraglich erscheint, ob dies wirklich der eigentlich Rücktrittsgrund sein kann.
Daher lässt sich darüber nachdenken, ob das wirkliche Motiv Horst Köhlers (und auch Roland Kochs) nicht ist, dem drohenden Sturm der kommenden Jahre mit sozialen Unruhen, Massenverarmung und  -verelendung und ganz generell großen Umwälzungen auszuweichen und die öffentlich so exponierte Stellung zu räumen. Aber dies ist Spekulation. Zwar ist Spekulation, im guten Sinne des Wortes als vorausschauendes, überlegtes Handeln, unser Geschäft, dennoch fühlen wir uns auf dem Börsenparkett wohler als auf den glatten Berliner Böden. Und damit zu den Märkten.

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Die Märkte
Wir gehen davon aus, dass die Korrektur auf hohem Niveau vorerst weiter andauern dürfte. Die Sorgen um Spanien und den Euro im Allgemeinen dürften einerseits die Märkte weiterhin belasten, während die Milliarden, die in die Stützung bzw. den Rettungsschirm investiert wurden sich positiv auswirken dürften. Wir gehen nichts desto trotz davon aus, dass spätestens in der zweiten Jahreshälfte der Crack-up-Boom wieder deutlich an Fahrt gewinnen sollte. Ein erstes schwaches Anzeichen dafür, dass das schlimmste vorüber ist, war die Ausbildung einer „Eintages-Inselumkehr“ vergangene Woche. Da diese aber unter sehr schwachen Umsätzen erfolgte, darf die Signalwirkung hier nicht überinterpretiert werden.



Musterdepot
In unserem Musterdepot bleibt alles beim Alten. Wir tätigen keine neuen Zukäufe und unser Stopp Loss beim Long-Hebelzertifikat (WKN: GS8YFB) bleibt bestehen. Wenn der DAX also unter 5.590 Punkten schließt, stellen wir das Zertifikat glatt. Der Kurs des Papiers dürfte dann um die 4,00 EUR notieren.

 

Fazit

Unter Seemännern ist das Phänomen bekannt: die Ratten und andere „blinde“ Passagiere verlassen ein sinkendes Schiff sehr zügig. In den Rücktritten der beiden CDU-Politiker mag man Anzeichen einer ähnlichen Reaktion sehen. Und wer will es ihnen verdenken? Denn wenn der Sturm losbricht, gibt es mit Sicherheit angenehmere Plätze auf dieser Welt als die exponierte Stellung an der Spitzeeiner Landesregierung oder gar eines 80-Millionenvolkes.

Ralf Flierl, Fabian Grummes

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.


 


 

 

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