Verantwortung übernehmen
Eigentlich
sollte dies ja auch eine Selbstverständlichkeit sein. BP hat nicht sorgfältig
gearbeitet, besser gesagt die Wahrscheinlichkeit einer großen Katastrophe für
gering erachtet und aufgrund des miserablen Risikomanagements enorme Schäden
verursacht. Diese zu beseitigen ist die Aufgabe des Unternehmens. Erstaunlich
ist nur, dass dies im Falle BPs der politischen Klasse richtigerweise als
selbstverständlich erscheint, wohingegen es im Finanzsektor dieses Denken
scheinbar nicht gibt. Hier haben Banken teilweise unzumutbare Risiken auf sich
genommen und lagen mit ihren angenommenen Wahrscheinlichkeiten meilenweit
daneben, dafür gerade stehen müssen plötzlich jedoch andere. Oder nehmen wir
das Beispiel Griechenland, auch hier wurde jahrelang nicht ordentlich
gewirtschaftet. Und wiederum müssen andere die Zeche dafür (mitbe-)zahlen. Dass
man im Falle einer Niederlage diese auch klar benennt und dann entsprechende
Maßnahme ergreift zeigt übrigens der FC Bayern München, der ja schon im letzten
Weekly Gegenstand unserer Überlegungen war. Dabei waren wir wohl so
überzeugend, dass sich sogar N-TV des Themas annahm und ein Interview mit einem
unserer Redakteure sendete. Dass die Bayern verloren haben, ist nun nicht
unbedingt ein Zeugnis dafür, dass die Österreichische Schule die „unterlegene“
Philosophie ist. Vielmehr geht es im Sport um Wahrscheinlichkeiten und darum
bestimmte Muster zu erkennen und sich auf diese einzustellen – und dabei war
das Team von José Mourinho erfolgreicher. Was nicht bedeutet, dass Inter
Mailand das bessere Unternehmen ist.

D1 war es nicht!
Wie im Sport und in der Wirtschaft geht es auch an der Börse um bestimmte
Muster und diesen Mustern gewisse Wahrscheinlichkeiten zuzuordnen. Die Bewegung
am 6. Mai war ein solches Muster. Wir hatten es als D1 bzw. Shake-out
identifiziert (siehe auch aktuelles Heft 6/2010 S. 39 sowie S. 54).Und lagen
damit wohl leider falsch. Für einen Shake-out hätten die Kurse schließlich den
Bereich zwischen 6.100 und 6.300 Punkten im DAX überwinden müssen. Wobei wir
auch immer daraufhingewiesen hatten, dass diese Zone eine neuralgische ist und
der Widerstand hier sehr stark ausgeprägt ist. Da der DAX nun zum zweiten Mal
von dieser Marke abgeprallt ist, ist eine längere und stärker ausgeprägte
Korrektur wahrscheinlicher geworden. Zumal die Unsicherheit in den Märkten nach
wie vor sehr stark ist.
Crack-up-Boom nicht beendet
Dennoch behalten wir unserer These des Crack-up-Booms (CuB) bei. Sicherlich
gibt es einige Indizien für die gegenteilige Ansicht. So sind beispielsweise
die Sparmaßnahmen in Spanien und Großbritannien als deflationär einzustufen.
Wir beschäftigen uns daher natürlich auch mit den Gegenstimmen und räumen
diesen ebenfalls Platz in unserem Heft ein (beispielsweise im Interview mit
Dirk Müller 6/2010 S.25). Wir jedoch können immer noch keine andere Entwicklung
sehen als unser CuB-Szenario. Solange alle Schuldner aufgefangen werden und ab einer
bestimmten Größe keine Bank und kein Unternehmen mehr die Konsequenzen des
Marktes spüren muss, so lange können wir das Einsetzen eines zweiten
deflationären Crash, wie er 2008 stattfand, nicht erkennen. Die These von Felix
Zulauf, der uns prinzipiell mit dem CuB Szenario Recht gibt, ihn aber länger
andauern erwartet und als eine ganze Reihe von Erholungs- und
Enttäuschungsphasen sieht (s. a. Smart Investor 6/2010 S.79) wollen wir dabei nicht
komplett ausschließen.
Musterdepot
Da wir nun nicht mehr ausschließen können, dass die Korrektur länger und
stärker als erwartet andauern könnte, erscheint es uns vernünftig, das Long-Hebelzertifikat (WKN: GS8YFB) auf den DAX gegebenenfalls glattzustellen. Unser Stoppkurs
hierbei liegt bei 5.590 Punkten im DAX auf Schlusskursbasis. Sollte der DAX
also um 17:30 (heute oder in den kommenden Tagen) unter 5.590 schließen, werden
wir diese Position glattstellen. Der Kurs des Zertifikats dürfte dann um die
4,00 EUR betragen.
Bei Aurelius* (WKN: A0JK2A) ging unser Kauflimit inzwischen auf und
wir haben am vergangenen Mittwoch 500 Stück der Aktie erstanden.
Das neue Heft ist da!
Letzten Samstag erschien die neuste Ausgabe
des Smart Investor. Wie üblich ist das Heft gefühlt mit spannenden Informationen
über den Aktienmarkt. Wir beschäftigen uns mit dem Thema „Geothermie“ und
analysieren die Erfolge und Misserfolge von Beteiligungsgesellschaften im
vergangenen Jahr. Titelstory ist die „Eroberung der Welt“ durch Asiens
Giganten: China und Indien. Weiterhin
setzen wir uns mit der Wirtschaftstheorie Silvio Gesells kritisch auseinander
und finden mittels Sektorenanalyse heraus, wo die besten Investments zu finden
sind.
Österreicher in Hamburg
Am 29. und 30. Mai veranstaltet das Institut für Austrian Asset Managementein
ein Wochenendeseminar mit dem Titel „Vermögensanlage in der Krise“. Smart Investor Chefredakteur Ralf
Flierl spricht hier über das letzte Aufbäumen des Finanzsystems. Auf der
vorletzten Seite des PDFs finden Sie das Anmeldeformular:
http://www.ifaam-institut.de/wp-content/uploads/2010/04/Anlegerseminar_Hamburg_Mai_2010.pdf
Ein Wort in eigener Sache
Wir wurden immer wieder auf die Adressaufkleber
unserer Hefte angesprochen. Diese ließen sich nicht leicht ablösen. Im
aktuellen Heft (Smart Investor 6/2010 S.79) hatten wir versprochen, dass wir
das Problem inzwischen behoben hätten und sie nun leicht abzulösen wären. An
der teilweise heftigen Reaktion unserer Leser lässt sich jedoch leider ablesen,
dass dieses Problem immer noch nicht zur Zufriedenheit gelöst ist. Wir
versprechen hier schnellstens Abhilfe zu schaffen und dafür zu sorgen, dass von
der Druckerei der richtige, sich leicht ablösen lassende Kleber verwendet wird.
Fazit
Sollten sich für uns neue Aspekte ergeben, die unsere These des CuB
hinfällig lassen werden, dann werden wir keinesfalls zögern dies zu
kommunizieren. Derzeit aber sehen wir nach wie vor keine Notwendigkeit hierzu und
bleiben daher auch weiter sehr offensiv positioniert.
Fabian Grummes
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan
von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.