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Interviews 05.03.2010, 09:56  
„Die Ineffizienzen gilt es als Stock-Picker zu nutzen“ - Portfolio Talk mit Peter C. Conzatti, Fondmanager, Lupus alpha

Der Frankfurter Asset Manager Lupus alpha zählt zu den ersten Adressen für spezialisierte Assetklassen wie Absolut Return und europäische Small Caps. Der Schwerpunkt liegt dabei auf institutionellen Mandaten. Wir sprachen mit Fondsmanager Peter C. Conzatti, über die Anlagephilosophie von Lupus alpha und wie diese umgesetzt wird.

Morningstar: Herr Conzatti, können Sie uns bitte die Anlage- und Managementphilosophie von Lupus alpha näher erläutern?
Conzatti: Die Finanzkrise hat einmal mehr gezeigt, dass die Transparenz und Klarheit von Finanzprodukten eine immer stärkere Rolle bei Investmententscheidungen spielen wird. Langfristig kommt es im Asset Management auf die Qualität der Konzepte an. Deshalb haben wir uns bewusst dafür entschieden, uns abseits vom Mainstream auf spezialisierte Investmentstrategien zu konzentrieren. Wir setzen seit nunmehr zehn Jahren ganz auf Stock Picking und aktives Portfoliomanagement. Mittlerweile gehören wir bei den verwalteten Assets under Management zu den Top-5-Anbietern in Europa. Benchmark-Orientierung spielt bei Lupus alpha keine Rolle. Als Portfoliomanager nehmen wir uns die Freiheit, vom Consensus abzuweichen und so Marktchancen zu nutzen. Wir haben gegenüber vielen anderen Asset Managern den Vorteil, dass wir jedes Unternehmen und die Branchen, in die wir investieren, ganz genau kennen. Wer sich nur am Index orientiert, der übersieht genau diese Chancen.

Morningstar: Mit Ihrem ältesten Produkt, dem Lupus alpha Smaller German Champions, bieten Sie auch Privatanlegern die Möglichkeit, in Ihren Ansatz zu investieren. Wie setzten Sie Ihre Anlagestrategie im Fonds um?
Conzatti: Anders als bei großen Titeln sind bei Small und Mid Caps nicht alle Marktinformationen in den Kursen enthalten. Diese Ineffizienzen gilt es als Stock Picker zu nutzen. Kleine, börsennotierte Unternehmen tauchen meist nicht auf dem Radarschirm der Analysten auf, weil sie aufgrund ihrer geringen Marktkapitalisierung durch das Bewertungsraster fallen. Wir dagegen schauen uns auch diese Werte an. Dabei verfolgen wir zwei unterschiedliche Strategien. Wir setzen auf einen engen, langjährigen Kontakt zu den Unternehmen, wann immer möglich auch mit Besuchen vor Ort. Und gleichzeitig werden Geschäftszahlen, die Bilanzseite, aber auch das Marktumfeld fundamental analysiert. So ist es möglich, Marktineffizienzen zu erkennen. Ohne Nutzung dieser Ineffizienzen kein Mehrwert für unsere Anleger – egal ob institutionell oder privat.

Morningstar: Wie begrenzen Sie das Risiko im Fonds?
Conzatti: Das Thema Risiko und Risikomanagement hat vor allem seit der Finanzkrise stark an Bedeutung gewonnen. Nebenwerte haben den Vorteil, dass sie auf zwei Ebenen diversifizieren. Zum einen durch die Streuung von zyklischen und defensiven Titeln. Daneben spielt bei Nebenwerten im Gegensatz zu DAX- oder Euro-Stoxx-Werten die weltpolitische Großwetterlage eine deutlich geringere Rolle. Es dominieren unternehmensspezifische Faktoren. Gerade deswegen schauen wir uns das Management und Geschäftsmodell der Firmen genau an.

Morningstar: Für welchen Anleger eignen sich Ihre Produkte?
Conzatti: Neben unseren Mandaten für institutionelle Anleger gibt es unsere wichtigsten Produkte auch als Publikumsfonds für erfahrene Privatanleger. Somit ist unser Angebot sehr transparent und die Performance unserer Produkte leicht nachvollziehbar. Insgesamt liegt unser Fokus aber auf institutionellen Investoren.

Morningstar: Worin unterscheidet sich Ihre Strategie von anderen Nebenwerte-Fonds?
Conzatti: Wer als Asset Manager kleine Firmen beurteilen will, braucht in erster Linie die richtige Mannschaft: Der Unterschied zu anderen Small- und Mid-Cap-Spezialisten liegt in der Größe unseres Teams und dem Know-how, das wir hier versammelt haben. Wir sind seit zehn Jahren ein eingespieltes Team von Individualisten mit Erfahrung und Biss. Einige Manager kennen und begleiten Unternehmen zum Teil schon seit Jahrzehnten und sind mit den Eigenheiten von Nebenwerten bestens vertraut. Wir setzen konsequent auf Qualitätstitel. Dies durchzuhalten ist in rein liquiditätsgetriebenen Rallys nicht immer ganz leicht. Und manchmal muss deswegen auch ein langfristiges Engagement beendet werden, wenn es unseren Standards nicht mehr genügt. Langfristig zahlt es sich aus, in Qualitätswerte mit solider Bilanz und plausiblem Geschäftsmodell zu investieren. Der Verlockung, kurzen, marktpsychologischen Trends zu folgen, erliegen wir nicht.

Morningstar: Mit Nebenwerten konnte man bereits 2009 wieder höhere Renditen als mit Standardwerten erzielen. Wird sich dies in den nächsten Jahren fortsetzen?
Conzatti: Die Rekordtiefs im März 2009 waren noch keinen harten Zahlen geschuldet, sondern vorwiegend begründet durch die Angst vor einem Worst-Case-Szenario. Seitdem haben sich die Kurse wieder einem realistischeren Niveau angeglichen. In der zweiten Hälfte des Jahres 2009 hat davon der gesamte Kapitalmarkt profitiert. Ob sich dieser Trend aber fortsetzen wird, ist ungewiss. Wir gehen davon aus, dass weniger die makroökonomische Entwicklung entscheidend sein wird als vielmehr die individuelle Stellung der Unternehmen im Markt. Deshalb setzten wir 2010 gezielt auf Stockpicking von Qualitätswerten, die langfristig nicht nur in der Lage sein werden, Kosten zu senken, sondern auch gute Umsatzaussichten besitzen. Hohe Renditen wird es nicht mehr durch simple „Buy and Hold“-Strategien wie vielfach im Jahr gesehen 2009 geben, sondern es gilt weitaus mehr Faktoren zu berücksichtigen. Im Gegensatz zum verlorenen Aktienjahrzehnt mit Verlusten von jährlich über 2% bei DAX und Euro Stoxx haben Nebenwerteinvestoren in Deutschland und Europa pro Jahr zwischen 5 und 8% erzielt. Zudem ist das Wachstumspotenzial bei kleineren Firmen im Vergleich zu den Dickschiffen deutlich größer. VW beispielsweise kann nicht von einem Jahr aufs andere doppelt so viele Autos verkaufen. Für Small Caps in neuen Märkten ist eine Verdopplung des Umsatzes innerhalb eines Jahres nichts Ungewöhnliches. Die Aktienmärkte sind 2010 gedanklich schon bei der Phase nach der tiefen Rezession. Da wird zwischen den einzelnen Titeln stärker differenziert. Investoren müssen sich deswegen jedes Unternehmen ganz genau anschauen. Für Stockpicker ist das genau die richtige Zeit.

Morningstar: Herr Conzatti, vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Morningstar-Analyst Maximilian Kreitlmeier.

Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 03/2010.

 


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