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Interviews 27.01.2012, 10:12  
„Selbst in Spanien und Italien gibt es viele gute Unternehmen“ - Interview mit Markus Zeiß, Fondsmanager, LBBW Asset Management

LBBW Asset Management verwaltet derzeit ein Vermögen von rund 23 Mrd. EUR. Das Angebot umfasst sowohl Zins- als auch Aktienprodukte – letztere vornehmlich Value-orientiert und auf den europäischen Aktienmarkt ausgerichtet –, Absolute-Return-Strategien, Anlagen im Rohstoffbereich sowie ausgewählte Themenfonds. Das GoingPublic Magazin sprach mit dem zuständigen Fondsmanager Markus Zeiß.

GoingPublic: Herr Zeiß, einen Fonds zu managen, der ausschließlich in Aktien aus Euro-Ländern anlegt, ist in diesen Tagen vermutlich kein Selbstläufer.
Zeiß: Aktuell ist das natürlich schwierig, so dass ein Anleger, der jeden Tag bestimmte Schlagzeilen lesen muss, früher oder später seine Anlageentscheidungen anzweifelt. Nicht wenige Kunden fragten uns zuletzt, inwieweit ein europäisches Exposure überhaupt noch sinnvoll ist und ob man nicht besser alles auf Deutschland und deutsche Aktien setzen sollte. Unsere Antwort liegt im Stock Picking. So gibt es selbst in Ländern wie Spanien und Italien viele gute Unternehmen, die man nicht leichtfertig mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in einen Topf werfen darf. Ein Beispiel wäre der Modekonzern Inditex, der international aufgestellt ist und dessen Aktie sich in diesem Jahr positiv entwickeln konnte. Letzteres kann man selbst von den meisten DAX-Titeln nicht behaupten.

GoingPublic: Inwieweit hatten Sie es zuletzt mit Mittelabflüssen zu tun?
Zeiß: Natürlich hat der ein oder andere Investor sein Geld abgezogen. Alles andere wäre jedoch auch äußerst verwunderlich. Angesichts der zeitweilig durchaus prekären Umstände und negativen Nachrichten hielten sich die Abflüsse aber insgesamt in Grenzen.

GoingPublic: Wie schätzen Sie die Lage des Euro und der Euro-Länder augenblicklich ein?
Zeiß: Hier gilt es genau zwischen den einzelnen Ländern zu unterscheiden. Während beispielsweise in Italien eine Vielzahl erfolgreicher und bedeutender Unternehmen ansässig ist, zeigt sich die industrielle Landschaft Griechenlands in einer ungleich schwierigen Verfassung. Am Ende geht es darum, dass diese Länder ihre Wettbewerbsposition mittels Strukturreformen verbessern. Was die Politik in Deutschland mit der „Agenda 2010“ bereits vor Jahren erfolgreich durchgesetzt hat, haben Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland größtenteils noch vor sich. Deren Lohnstückkosten sind heute schlichtweg zu hoch. Die von Merkel und Sarkozy forcierte Fiskalunion wird sich in jedem Fall nicht kurzfristig realisieren lassen. Bekanntlich schaut die Börse jedoch immer nach vorne. Daher könnte allein schon die Aussicht auf Besserung einen Stimmungsumschwung bewirken.

GoingPublic: Welche Konsequenzen ergeben sich aus der europäischen Schuldenkrise für Ihr Fondsmanagement?
Zeiß: Wir schauen uns die Unternehmen immer im Detail an, klassisches Stock Picking eben. Dabei schließen aber wir grundsätzlich kein Land aus. Dies wäre wenig zielführend, wenn man bedenkt, dass auch der DAX und deutsche Aktien in diesem Jahr nicht besser als die meisten anderen europäischen Indizes abgeschnitten haben. Natürlich überlegen wir uns darüber hinaus, welche Gesellschaften von möglichen oder bereits beschlossenen Sparmaßnahmen betroffen sein könnten. Wird in einem Land eine neue Steuer auf Energie eingeführt, so ist die Konsequenz vermutlich, die dortigen Versorgertitel vorerst zu meiden und in Aktien aus anderen Ländern und Branchen umzuschichten.

GoingPublic: Können Sie die Eckpfeiler Ihrer Anlagestrategie beim „LBBW Zyklus Strategie R“ näher beschreiben?
Zeiß: Wir stellten fest, dass sich viele Aktien vor einer bevorstehenden Ausschüttung überdurchschnittlich gut entwickeln. Aus dieser Beobachtung haben wir unsere Dividenden-Zyklus-Strategie abgeleitet. Unser Ziel war es, eine Outperformance bei gleichzeitig geringerer Volatilität zu erreichen. Um negative Überraschungen möglichst zu vermeiden, kaufen wir einen Titel erst nach einer Dividendenmeldung. Meist setzt dann eine gewisse Konsolidierungsphase ein, in der Anleger sich von ihren Anteilen trennen. Das ist für uns dann der ideale Einstiegszeitpunkt. Unmittelbar am Anschluss an die Ausschüttung verkaufen wir die Position. Dabei zeigt sich, dass der Kursrückgang oftmals kleiner als der eigentliche Dividendenabschlag ausfällt.

GoingPublic: Wie sehr achten Sie dabei auch auf Erkenntnisse der Behavioral Finance und der technischen Analyse?
Zeiß: Beides spielt beim Timing und der Auswahl der Titel eine wichtige Rolle. Ich selbst bin sowohl technischer als auch fundamentaler Analyst. Nach der Ankündigung einer Ausschüttung fehlt nicht selten die Fantasie auf schnelle Anschlussgewinne. Folglich geht die Aktie zunächst in eine gewisse Konsolidierung über, was sich psychologisch durchaus schlüssig erklären lässt. „Buy on rumours, sell on facts,“ könnte man dazu sagen. Gerade weil wir uns eher auf die kurze Frist konzentrieren, wollen wir dabei nicht auf die Instrumente der technischen Analyse verzichten.

GoingPublic: Am Ende entscheidet immer die Performance über Erfolg und Misserfolg. Wie sieht es hier beim „LBBW Zyklus Strategie R“ aus?
Zeiß: Seit wir den Fonds im institutionellen Bereich Ende 2008 aufgelegt haben, erreichten wir einen Wertzuwachs von knapp 28%. Damit zählen wir auf einer Drei-Jahres-Sicht zu den besten 10%. Gleichwohl müssen wir zugeben, dass unsere Strategie in diesem Jahr nicht so erfolgreich war wie in den Vorjahren. Wenn Aktien pauschal verkauft werden, geht es letztlich nur darum, Verluste zu begrenzen. Die fundamentalen Daten spielen dann kurzfristig keine große Rolle mehr und der Dividendenzyklus ist schwerer umzusetzen.

GoingPublic: Können Sie etwas zur aktuellen Aufstellung Ihres Fonds sagen?
Zeiß: Zurzeit erreichen wir eine Investitionsquote von ca. 60%. Unsere Aktienengagements verteilen sich wiederum auf Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Luxemburg und Belgien. Die hohe Gewichtung der Mittelmeerregion erklärt sich dabei mit dem Dividendenzyklus dieser Länder. Zu den größten Positionen zählen eine ArcelorMittal, der Telekomkonzern Belgacom sowie der französische Versorger EdF.

GoingPublic: Fährt ein Anleger in einem nervösen Umfeld mit einem Total-Return-Ansatz nicht besser?
Zeiß: Es fällt auf, dass sogar Produkte mit einem Total-Return-Ansatz dieses Jahr zumeist Verluste hinnehmen mussten. Die Erklärung ist, dass sich altbekannte Korrelationseffekte zwischen verschiedenen Assetklassen allmählich abschwächen oder gar komplett auflösen. Selbst einst als sicher empfundene Staatsanleihen sind kein sicherer Hafen mehr. Dadurch wird es zunehmend schwerer, überhaupt eine positive Performance zu erreichen. Unsere Maßgabe bleibt es, in Abwärtsbewegungen ein kleineres Beta und in Aufschwungphasen ein höheres Beta als der Euro-Stoxx-50 zu erzielen. Bisher ist uns beides gelungen.

GoingPublic: Herr Zeiß, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Marcus Wessel.

Úrsprünglich erschienen im GoingPublic Magazin 01/2012.


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