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Interviews 29.07.2010, 14:39  
Portfolio Talk - Thomas Bucher, Fondsmanager, DWS Investment

Der Gesundheitsbranche sieht sich auf verschiedenen Ebenen mit Herausforderungen konfrontiert. Da gibt es zum einen den auslaufenden Patentschutz und zum anderen die Gesundheitsreform für den dominanten US-Markt. Morningstar sprach mit Fondsmanager Thomas Bucher, der den DWS Health Care Fonds verantwortet.

Morningstar: Herr Bucher, könnten Sie uns bitte die Anlagephilosophie skizzieren?
Bucher: Wir sind aktive Fondsmanager und treffen unsere Anlageentscheidung aufgrund unserer Fundamentalanalyse von Unternehmen und bei diesem Fonds insbesondere der Gesundheitsbranche. Deshalb führen wir sehr viele Management-Interviews und sprechen mit führenden Ärzten und Forschern. Wir glauben, dass gerade die innovativen Bereiche Biotechnologie, Diagnostik, IT-Lösungen und Medizintechnik ebenso wie die Wachstumsregionen in Schwellenländern im Fonds stärker als in den meisten Branchenindizes repräsentiert sein sollten.

Morningstar: Die Pharmawerte sehen sich in den nächsten Jahren weiter mit auslaufenden Patenten für ihre Umsatzspitzenreiter konfrontiert. Welche der großen Pharmawerte verfügen über eine besonders starke Pipeline und warum?
Bucher: Ja, bis 2014 kämpft die Branche überdurchschnittlich stark mit dem sogenannten „Patent Cliff“. Aber „hinterm Horizont geht es weiter“. Die vergangenen Monate haben ermutigende Bespiele für die wieder erstarkende Innovationskraft einiger Pharma-Unternehmen gebracht. So hat Bristol-Myers Squibb auf dem amerikanischen Onkologen-Kongress ASCO Anfang Juni mit ipilimumab, Erfolg versprechende Daten bei der Behandlung von Hautkrebspatienten vorgestellt. Gerade für den metastasierenden Zustand gibt es derzeit noch kaum Behandlungsmöglichkeiten. Dieser neuartige Antikörper regt das Immunsystem des Patienten dazu an, Krebszellen zu töten. In einer Studie hat dies zu einer 3½-monatigen Lebensverlängerung geführt. Der Schweizer Konzern Novartis konnte in den vergangenen Wochen sogar mit zwei wesentlichen Neuentwicklungen überzeugen: Zum einen scheint mit Gilenia erstmalig ein Multiple-Sklerose-Wirkstoff in Tablettenform zur Verfügung zu stehen. Damit könnten die unangenehmen, regelmäßigen Interferon-Injektionen reduziert werden und auch die mit dem traditionellen Wirkstoff verbundenen grippeartigen Nebenwirkungen entfallen. Zum anderen scheint mit Tasigna ein noch wirksameres Nachfolgeprodukt für das Leukämie-Medikament Gleevec gefunden worden zu sein.

Morningstar: Welche der Generikaproduzenten sind für den DWS Health Care interessant?
Bucher: Generika werden weltweit als kostengünstige Alternative zu patentgeschützten Medikamenten gesehen. Deshalb ist das Volumenwachstum ungebrochen stark. Allerdings sind die Markteintrittsbarrieren relativ gering und haben in den vergangenen Jahren zu einem ca. 5%-igen jährlichen Preisrückgang geführt. Wir setzen deshalb auf Kostenführer mit einer global diversifizierten Absatzstruktur und halten in unserem Fonds seit Jahren Teva und Mylan. Darüber hinaus finden Sie eine Position des japanischen Herstellers Nichi-Iko, da der japanische Markt sich gerade erst für Generika öffnet. Auch Pharmagroßhändler wie das US-Unternehmen McKesson oder Versandapotheken wie MedcoHealthSolutions sind Teil unserer positiven Investmentthese für Generika. Denn auch diese Geschäftsmodelle können von Nachahmerprodukten überdurchschnittlich profitieren.

Morningstar: Wie wichtig sind US-Aktien für Ihr Universum, und hat sich durch die Gesundheitsreform für das Investmentthema etwas Grundlegendes geändert?
Bucher: Mit rund zwei Drittel Gewicht im MSCI World Healthcare dominiert der US Gesundheitsmarkt auch nach der US-Gesundheitsreform. Vor dem Hintergrund steigender Budgetdefizite sorgen derzeit vermehrt die europäischen Reformvorschläge für Verunsicherung. Andererseits nimmt die Bedeutung von Schwellenländern mit dem wachsenden Wohlstand in diesen Ländern zu und bietet Wachstumschancen.

Morningstar: In Branchenfonds für Gesundheitswerte sind US-Unternehmen sehr stark vertreten. Wie gehen Sie mit dem Währungsrisiko für Euro-Anleger um?
Bucher: Wir begrenzen das direkte Wechselkursrisiko aufgrund der Börsennotierung in USD bei etwa zwei Drittel des Fondvolumens durch Hedging. Zur Steuerung des Transaktions- und Translationsrisikos der Unternehmen in unterschiedlichen Währungsräumen ist jedoch eine Einzelfallbetrachtung notwendig.

Morningstar: Wie schätzen Sie langfristig die Perspektiven des Themas Healthcare ein?
Bucher: Der Sektor wird unverändert auch zukünftig defensives Wachstum bieten können. Hierfür werden Produktinnovationen, die demographische Entwicklung und das Wachstum in Schwellenländern sorgen. Weltweit wollen Menschen länger und beschwerdefreier leben. Deshalb werden sie auch in Zukunft bereit sein, einen steigenden Anteil am Sozialprodukt für Gesundheitsdienstleistungen und -produkte auszugeben. Die öffentlichen Haushalte werden diese Mehrausgaben allerdings in vielen OECD-Ländern nicht mehr alleine stemmen können. Somit werden verstärkt private Zuzahlungen notwendig sein.

Morningstar: Für welchen Anleger ist der Fonds geeignet bzw. wie lässt sich die Strategie in ein Portfolio einbinden?
Bucher: Vor zehn Jahren wurde unser Fonds hauptsächlich von „Growth“-Investoren gekauft, derzeit interessieren sich überwiegend „Value“-Investoren für die Gesundheitsbranche. Eine Dekade von kostenintensiven Forschungsbudgets, Rückschlägen bei der Produktentwicklung und die anstehenden Patentabläufe haben unserer Meinung nach zu einer zu pessimistischen Einschätzung geführt. In Folge dessen sind viele Forschungspipelines derzeit unterbewertet. Innovationen benötigen allerdings nicht nur Forschungsgelder, sondern vor allem Zeit. Deshalb ist ein Healthcare-Fonds nichts für kurzfristige Investoren. Für alle anderen bietet der Fonds defensives Wachstum zu einer attraktiven Bewertung.

Morningstar: Herr Bucher, besten Dank für das Interview.

Das Interview führte Morningstar-Analyst Simon Nöth.

 

Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 7/2010.

 

 

 


 

 

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