| IPO im Fokus |
22.01.2010, 15:10 |
| Helikos - Kopf statt Zahl
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Vor rund 18 Monaten kam mit Germany1 erstmals ein SPAC (Special Purpose Acquisition Company) innerhalb Europas zu gewisser medialer Prominenz. Erfolgte dieser Börsengang noch an die Euronext, steuert Helikos nun die Frankfurter Börse an. Namhafte Persönlichkeiten und eine aus den Erfahrungen ähnlicher Transaktionen ausgeklügelte Preis- und Vergütungsstruktur sollen das IPO transparent und attraktiv machen.
Im Vorfeld scheinen Medienvertreter, aber wohl auch
potenzielle Investoren über diese vergleichsweise neue, aber allemal
alternative Form eines Börsengangs aufgeklärt werden zu müssen. Gut zu erkennen
daran, dass Konsortialführer Deutsche Bank eigens für diese Transaktion
vorsichtshalber einen achtseitigen Quick Guide herstellte und auf der
IPO-Pressekonferenz auslegte. Die Kurzform: SPACs sind börsennotierte
Gesellschaften, die zum IPO-Zeitpunkt noch kein operatives Geschäft besitzen
und mit Hilfe der eingenommenen Mittel innerhalb einer bestimmten Frist – meist
zwischen 12 und 24 Monaten – ein Unternehmen erwerben und deren operatives
Geschäft in den Börsenmantel integrieren wollen. Auf diese Weise füllt sich der
SPAC mit Leben, und die übernommene Gesellschaft kommt auf Umwegen zu einer
Börsennotiz. Derlei „Blanko-Scheck-Unternehmen“ sind in den USA bereits gang
und gäbe, innerhalb Europas gibt es jedoch erst eine Handvoll.
Option auf mehr
Eine Besonderheit besteht darin, dass SPAC-Investoren in der Regel sogenannte
Units erwerben, die aus einer Aktie und einem Optionsschein, der zum Erwerb
einer Aktie berechtigt, bestehen. So auch bei Helikos: Für den aufgerufenen
Festpreis von 10 EUR für eine Helikos-Publikumsaktie erwirbt man auch einen
Optionsschein mit Basis 9 EUR. Ausgeübt werden kann dieser jedoch erst nach
frühestens einem Jahr, nach einem Unternehmenszusammenschluss und spätestens
bis zum fünften Jahr ab IPO. Der Cashpool wiederum, der auf einem Treuhandkonto
zwischengelagert wird, muss im Falle von Helikos binnen zwei Jahren verwendet
werden, andernfalls wird der SPAC rückabgewickelt. Findige Banker haben hierfür
schon den Begriff „de-SPACed“ etabliert. Wie auch immer: Über die Akquise des
avisierten Zielunternehmens muss eine Aktionärsversammlung noch entscheiden.
Investieren in Köpfe, nicht in Zahlen
Die Aufgabe des SPAC-Managements liegt darin, vor Ablauf der Frist der
Hauptversammlung ein geeignetes Akquisitionsobjekt zu präsentieren. Und dieses
Management hat – ähnlich wie die erwähnte Germany1 mit Roland Berger, Thomas
Middelhoff und Florian Lahnstein – erlesene Namen zu bieten, ist doch das
Management so ziemlich das Einzige, was Investoren zum Zeitpunkt ihres
Engagements schon wissen. Genau genommen investieren sie ausschließlich in
dieses Management. Als da wären: Roland Lienau, Managing Director der
französischen Private-Equity-Gesellschaft Wendel und mit über 20 Jahren
Erfahrung bei Börsengängen und Sekundärmarkttransaktionen im Gepäck, sowie
Prof. Dr. Dr. Hermann Simon, Gründer der Strategieberatung Simon Kucher &
Partners und Vordenker des „Hidden Champion“-Konzepts. Andere Mitglieder des
Verwaltungsrats – Helikos ist eine in Luxemburg notierte SE – sind ebenfalls
keine Unbekannten, so z.B. Dr. Jürgen Heraeus, Dr. Christoph Kirsch (ehemals
Südzucker), Alain Georges (ehemals Banque du Luxembourg) und Dirk-Jan van
Ommeren (CEO der Oranje-Nassau Groep).
High Net Worth
Kommt keine Übernahme zustande, erhält das Helikos-Management keine
Vergütung; erfolgt der Kauf eines in langer Due-Diligence-Prüfungen
ausgesiebten Zielunternehmens, lohnt sich die Sache für die Gründer
überproportional. Helikos strebt einen Kauf mit einem Transaktionswert von 0,3
bis 1,0 Mrd. EUR an, natürlich eines dieser deutschen Hidden Champions, von
denen es derzeit rund 1.200 geben soll. Germany1 wurde nach rund einem Jahr
fündig und übernahm AEG Power Solutions. Seither hat sich der Kurs jedoch
nachteilig entwickelt und liegt aktuell etwas unter dem seinerzeitigen
Ausgabepreis. Bis zur Verkündung eines Übernahmeziels ist es normal, dass sich
beim Kurs nichts tut, da sich auch beim SPAC selbst nichts abspielt. Angesichts
dessen können interessierte Anleger auch noch über die Börse bei Helikos
einsteigen, zumal davon auszugehen ist, dass beim Börsengang große Orders bevorzugt
berücksichtigt werden – da die Aktionärsversammlung einem geplanten
Unternehmenskauf zustimmen muss, liegt das Bestreben nahe, den Investorenkreis
übersichtlich zu halten. Mindestens 50.000 EUR gelten dem Vernehmen nach als
kleinste Stückelung.
Gut vergütet
Natürlicherweise wird die Vergütungsstruktur des Managements bei solch einem
Konstrukt akribisch hinterfragt. Kommt kein Unternehmenskauf zustande,
verfallen die ursprünglich (ausschließlich in Optionsscheine) investierten 10
Mio. EUR (davon allerdings 88 % von Wendel, nur je 6 % von Lienau/Simon). Das
Management erhält maximal dreimal jeweils 2,63 Mio. in Publikumsaktien
gewandelte Gründeraktien, wenn bestimmte Leistungsziele erreicht werden, als
erstes und wichtigstes zweifellos ein Unternehmenszusammenschluss. Im optimalen
Fall ergäben sich knapp 100 Mio. EUR, auf Basis ihrer ursprünglich 10 Mio. EUR.
Fairerweise sollte nicht vergessen werden, dass auch ein Neuinvestor in dieser
Rechnung zu diesem Zeitpunkt schon mit rund 50 % im Plus liegt, jedoch auch
kein Verlustpotenzial trägt – bei einer Rückabwicklung mangels Zielakquise
(„De-SPAC-ung“) sollte er theoretisch ohne Verluste wieder herauskommen.
Fazit
Die Frage stellt sich, wozu PE-Geber Wendel überhaupt den SPAC-Umweg macht
und ein attraktives Zielunternehmen nicht einfach selbst kauft – ganz ohne
Schlupf durch komplexe Vergütungen und ohne notwendiges Investorenplazet. Das
ist die kritische Seite der Medaille. Die andere ist, dass Investoren ein
vergleichsweise geringes Risiko auf sich nehmen – die eingezahlten 10 EUR pro
Aktie bleiben ja erst einmal bis auf Weiteres auf einem verzinsten
Treuhandkonto (natürlich bei der Deutschen Bank), Fonds könnten zudem die
Helikos-Aktie statt Cash halten. Die Vergütungsstruktur hat aller
vermeintlichen Neiddebatte zum Trotz die Erfahrungen anderer Transaktionen
berücksichtigt („Interessengleichrichtung“). So gesehen spricht wenig gegen
eine Zeichnung bzw. einen Kauf an der Börse zu 10 EUR. Das Argument, bei einem
SPAC ausschließlich in Köpfe zu investieren, bleibt dabei selbstverständlich
gültig.
Falko Bozicevic
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Helikos
– Emissionsparameter
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WKN
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A0Y F5P
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Erstnotiz
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2. Februar
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Zeichnungsfrist
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bis 29. Januar
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Preis
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10 EUR (1 Aktie plus
1 Optionsschein)
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MarketCap
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bis zu 395 Mio. EUR*
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Marktsegment
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Prime Standard
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Emissionsprospekt
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ja
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Emissionsvolumen
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max. 20 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung,
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weitere max. 5 Mio.
Aktien als Greenshoe aus KE;
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Emissionsvolumen 250
bis 300 Mio. EUR*
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Konsortium
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Deutsche Bank; ferner
HSBC, I-Bankers, Montana Partners
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Free
Float
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max. 76 %*
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Internet
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www.helikosgroup.com
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*)
inklusive Greenshoe, Gründer- und Publikumsaktien
Interview mit Georg Hansel, Head of
Capital Equity Markets, Deutsche Bank
GoingPublic: Herr Hansel, für die gemeinhin „kritischen” deutschen
Anleger ist ein SPAC noch etwas gewöhnungsbedürftig. Können Sie die Bedenken
zerstreuen?
Hansel: Weltweit gibt es schon rund 180 SPACs, einige davon bereits mit
einem erfolgreichen Unternehmenskauf. Nur zwei oder drei sind rein europäische SPACs, die auch an europäische Investoren verkauft
wurden. Das Produkt selbst entwickelt sich evolutionär weiter. Daher bin
ich ganz zuversichtlich, dass SPACs
sowohl bei Investoren als auch bei Zielgesellschaften mehr und mehr Akzeptanz
finden und wir auch in Europa noch
einige SPAC-Transaktionen sehen werden.
GoingPublic: Ist das Produkt SPAC nicht zu abstrakt, als dass es eine Richtung
für den diesjährigen IPO-Markt vorgeben könnte?
Hansel: Rein technisch handelt es sich um einen Börsengang, ein IPO.
Insgesamt ist ein SPAC aber ein sehr spezielles Produkt mit einem eigenen
Charakter. Daher sehe ich Helikos nicht unbedingt als „Eisbrecher“ für den
hiesigen IPO-Markt. Wir sehen jedoch
großes Interesse möglicher Emittenten an Börsengängen, so dass ich ein gutes
IPO-Jahr 2010 erwarte.
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