| Being Public |
19.02.2010, 12:04 |
| Tournee mit Kreuzverhör - IR-Roadshows und Investor Targeting
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Ein persönlicher und regelmäßiger Kontakt zu bestehenden sowie potenziellen Investoren ist für jede börsennotierte Gesellschaft unverzichtbar. Denn nur so kann Vertrauen aufgebaut und der Investor als langfristiger Partner gewonnen werden. Als Königsdisziplin gilt dabei die Roadshow. Ein Blick hinter die Kulissen.
Der Tag der Wahrheit war am
Mittwoch. Das war der Tag, an dem die NanoFocus AG den Abschluss ihrer
aktuellen Kapitalerhöhung bekannt geben konnte. Das erste Statement des
Vorstandsvorsitzenden Dr. Hans Hermann Schreier, der gemeinsam mit seinen
Vorstandskollegen auf die ersten Reaktionen des Kapitalmarktes wartete, fiel
allerdings überraschend trocken aus: „Wir haben es geschafft.“
Ein knapper Satz, der allerdings alles sagte. „Geschafft“ hatten wir einerseits
die wichtigste Kapitalerhöhung der Firmengeschichte, die dem Unternehmen die
Übernahme des SISCAN-Geschäfts der Siemens Electronics Assembly Systems
ermöglichte und die wiederum entscheidend zum zukünftigen Wachstum des
Unternehmens beitragen soll. „Geschafft“ hat er andererseits aber auch eine
berufliche Phase in seinem Leben, die sehr anstrengend und spannend zugleich
war. „Das war schon ein ziemlicher Stress“, so Schreier. „Aber es geht nicht
anders, gerade als Mittelständer“, ergänzt Finanzvorstand Joachim Sorg. „Heute
ist Investor Relations, die Kommunikation mit Anlegern, Analysten und
Finanzmedien, eine Schlüsselfunktion in jeder Aktiengesellschaft. Es gibt immer
viel zu tun: Kapitalerhöhungen, Roadshows, Jahresberichte und
Hauptversammlungen, dazu die laufende Betreuung von Analysten und Medien.“
Mehr als reine
Zahlen
Ein Blick hinter die Kulissen der Kapitalerhöhung, die im Herbst
vergangenen Jahres stattfand, zeigt: Ein mittelständisches Unternehmen einem
neuen Investorenpublikum zu öffnen, dazu noch während der größten
Finanzmarktkrise der vergangenen Jahrzehnte, erfordert starke Nerven, eine gute
physische Konstitution, straffes Zeitmanagement und einen gewissen Hang zu
Showeinlagen.
Doch bevor man in die One-on-Ones, die Einzelpräsentationen vor Investoren,
geht, muss im Vorfeld einiges vorbereitet werden. Die Unternehmenspräsentation
muss so konzipiert sein, dass sie in 20 Minuten alle wichtigen Fragen
beantwortet, ein vorbereitetes Handout muss Hintergrundinformationen
bereithalten, die der Investor nach dem Gespräch noch nachschlagen kann. Doch
bei solchen ersten Gesprächen geht es in der Regel um mehr als reine
Geschäftszahlen und Unternehmensvisionen. „Da wird man genau beobachtet“,
unterstreicht Sorg, „die wollen wissen, wie man als Team funktioniert.“
Derart in Augenschein genommen zu werden, trägt nicht unbedingt zur
Gelassenheit bei, und so wurde im Vorfeld viel geprobt, vor anderen
Vorstandskollegen sowie vor bekannten Investoren. Ein paar brauchbare Tipps
bekam unser Vorstandsduo auf seinem Weg: etwa, dass freies Reden ein Muss ist.
Auch die Rollenverteilung wurde exakt definiert: Der Vorstandsvorsitzende muss
Leadership ausstrahlen, der Finanzvorstand steht dagegen für Zahlen.
Im Kreuzverhör
der Investoren
Dann ging es auf zur Roadshow. Sechs Wochen lang waren Schreier und
Sorg auf „Tournee“, um das Unternehmen vorzustellen und anzupreisen. Tausende
Kilometer haben sie zurückgelegt, um über 30 Investoren zu treffen. Sie waren
in acht Städten in fünf Ländern – in Frankfurt, London und New York, in der
Schweiz und in Luxemburg.
Viele der institutionellen Investoren und Fondsmanager verfügen über ein
verwaltetes Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe. Manche kommen gleich mit
einem Katalog von Fragen zum Gesprächstermin – der Vorstand wird dann einem
regelrechten Kreuzverhör unterzogen. Es gab Tage, an denen auch die Fahrten von
einem Investorenmeeting zum anderen für Konferenzschaltungen mit weiteren
Investoren genutzt wurden. Und es gab Tage, an denen die Herren um zwei Uhr
morgens ins Hotel gebracht wurden und um sechs Uhr wieder weiter mussten.
Organisation
ist alles
Doch die Roadshow hatte auch etwas durchaus Faszinierendes: etwa die
Professionalität, mit der Konsortialbanken die Präsentationen planen.
Anlässlich so einer Roadshow gibt es bei der Bank oft ein ganzes Team von Mitarbeitern,
das ausschließlich für die Planung eines reibungslosen Ablaufs zuständig ist.
Sämtliche Hotels, Flüge, Autofahrten werden gebucht, Gesprächstermine auf die
Minute genau eingeplant – oft ist auch ein Wegbegleiter der Bank dabei, der
dafür sorgt, dass der Zeitplan eingehalten wird. Und wie sich die beiden nun
nach der gelungenen Kapitalerhöhung fühlen? Schreier: „Das ist wie beim
Jogging. Zuerst ist es anstrengend. Aber dann werden Endorphine freigesetzt –
und es geht einem sehr gut.“
Fazit
Die Roadshow ist das stärkste Einzelinstrument der Investor-Relations-Arbeit,
quasi der Key Account im Kapitalmarkt. Bei einem überschaubaren Aufwand wird
hier ein direkter sowie nachhaltiger Austausch mit dem Investor möglich, und so
bietet die Roadshow ein hervorragendes Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Von Nina Stegmann-Matthews, Unternehmenskommunikation, NanoFocus AG
Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 2/2010
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